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aus: Mindener Tageblatt, 5. Dezember 2008, von Marcus Riechmann

"Vom ersten Weltmeister ist das Besselgymnasium noch Lichtjahre entfernt, doch ein großes Stück Weg hat die Mindener Sportschule in ihrem Premierenjahr bereits bewältigt und eine Menge Erfahrungen gesammelt, seit sie am 11. August ihren Betrieb als eine von fünf Sportschulen des Landes Nordrhein-Westfalen aufgenommen hat.

117 Tage stehen heute die drei ersten Sportschulklassen am Besselgymnasium mit 83 Kindern im Praxisbetrieb. 117 Tage in denen sich das Projekt Stück für Stück entwickelt und in denen sich die vage Idee einer Sportschule behutsam mit Leben gefüllt hat. Morgen stellen sich die Sportklassen mitsamt des ganzen Besselgymnasiums am Tag der offenen Tür von 8.30 bis 11.30 Uhr vor.

Im Vorfeld zogen Schulleiterin Eva Kutschera sowie mit Martin Meier und Stephan Krajewski zwei Lehrer des Organisationsstabs eine erste Bilanz. Deutlich wurde dabei: Die Sportschule Besselgymnasium ist keine Kaderschmiede, in der Eltern ihre talentierten Kinder abgeben und die am Ende Spitzensportler produziert. Dafür reichen weder Personal und Sportanlagen noch die Mittel, die das Land NRW für die Sportschulen zur Verfügung stellt. Vielmehr ist das Bessel eine ganz normale Schule, die erstens ein deutliches Plus an Sport bietet, und die sich zweitens als Koordinationszentrale für die Bildung und die sportlichen Aktivitäten ihrer Schüler sowie der kooperierenden Vereine sieht.

„Der Erfolg kommt und geht mit den beteiligten Vereinen“, macht Martin Meier deutlich, wo die sportliche Hauptarbeit zu leisten ist. Denn die Möglichkeiten der Schule sind begrenzt: Null Euro erhält das Bessel als Unterstützung vom Land. Pro Sportschuljahrgang wird der Lehrerstab um 0,4 Stellen aufgestockt – das bedeutet: Im Vollbetrieb wird das Kollegium in acht Jahren mit 3,5 Stellen mehr besetzt sein als heute. Die notwendige Stelle eines hauptamtlichen Sportschul-Koordinators sieht das Land in seinen Planungen nicht vor. Das ist nicht viel für die Gestaltung des ehrgeizigen Projektes einer Sportschule.

Mit persönlichem Engagement treten die Bessel-Macher dem Mangel entgegen. „Das Bemühen ist von allen Seiten da“, erklärt Meier. Er wirbt für die Sportschule - auch außerhalb der Mindener Stadtgrenzen. Das Bessel als einzige Sportschule in Ostwestfalen-Lippe will das Einzugsgebiet vergrößern und so die Qualität der Sportschüler steigern. Schließlich kann die Schule Talente nur fördern, aber nicht generieren. Und die Schule braucht gute Sportler, denn wenn die Erfolge ausbleiben, ist der Status als Sportschule irgendwann in Gefahr. Fahrtkosten würden auch für auswärtige Schüler übernommen, werben Meier und Kutschera.

Derzeit bietet die Schule den Sportschülern fünf statt der üblichen drei Stunden Schulsport, zudem bietet sie Arbeitsgemeinschaften (AGs) in verschiedenen Sportarten an. Die Teilnahme an einer AG ist für die Sportschüler Pflicht.

Freie Stellen am Bessel – derzeit noch fünf – werden bevorzugt an Kandidaten vergeben, die zum Profil der Sportschule passen. So wurden im Sommer mit Stephan Krajewski (Fächer; Sport und katholische Religion) ein Ruderlehrer und mit Jörg Hinsken (Sport und Geschichte) ein Volleyballlehrer eingestellt.

Zudem arbeitet die Schule an der Vernetzung mit Vereinen und Verbänden. Das gelingt gut im Bereich Rudern, wo zum Bessel-Ruderclub eine große strukturelle und personelle Nähe besteht. Im Volleyball laufen in Zusammenarbeit mit dem 1. VC Minden AGs an. Im Handball rutschen die Bessel-Talente allmählich in das Training der Kreisauswahl in der Kampa-Halle hinein.

Damit versuchen die Organisatoren dem eklatanten Mangel an Hallenzeiten entgegenzuwirken. In der Sporthalle der Schule ist längst nicht mehr genug Kapazität vorhanden. In fast allen Klassen außer den Sportklassen sind die vorgesehenen drei Sportstunden pro Woche auf zwei gekürzt. Nicht aus Lehrer- sondern aus Raummangel, macht Kutschera deutlich: „Wir wissen nicht wohin, wir können nur kürzen. Aber das ist ja auch an anderen Schulen so.“ Ganz klar: Auf absehbare Zeit benötigt die Schule eine neue Sporthalle, will sie ihrem Namen Sportschule entsprechen.

Doch die Organisatoren üben sich in Geduld. „Es war klar, dass es am Anfang schwer wird“, sagt Meier. Er ist froh, dass die Schule im Sommer einen Kraftraum erhält. In einem Nebenraum der Sporthalle, der früher die Belüftungsanlage beherbergte, wird der Trainingsraum entstehen. Die Stadt Minden richtet den rund 70 Quadratmeter großen Raum her, die Schule bestückt ihn mit Geräten. „Wir werden künftig an der athletischen Grundausbildung der Schüler arbeiten können“, freut sich Krajewski auf die baldige Erweiterung der Trainingsmöglichkeiten, von der zunächst vor allem die Kadersportler der oberen Jahrgänge profitieren werden.

Ein weiteres Projekt ist der Bau einer Beachvolleyball-Anlage, die gemeinsam mit dem 1. VC Minden im Außenbereich errichtet werden soll."

Nach Abschluss der sportlichen Grundlagenausbildung kann dann am Besselgymnasium beginnend mit der Klasse 8 erstmals eine Sportklasse eingerichtet werden. Wie in den Rahmenvorgaben gefordert, erfolgt in den Sportklassen eine Spezialisierung auf eine Sportart, insbesondere im Handball, Rudern, Volleyball und weiterer Disziplinen, wie z.B. Leichtathletik. Damit wird den Schülerinnen und Schülern der Sportklassen ein zweimaliges individuelles Leistungstraining ermöglicht, wovon durchschnittlich mindestens 2 Stunden täglich während der Regelunterrichtszeit stattfinden. Die Profilsportarten verfügen über hauptamtliche Trainer, die das Besselgymnasium im Vormittag zusätzlich unterstützen können.

Der gesteigerte Trainings- und Wettkampfumfang wird schulisch durch zusätzliche Hausaufgabenbetreuung und Nachführunterricht gesichert. Das Besselgymnasium wird mit den Vereinen und Sportverbänden vor Ort künftig noch enger zusammenarbeiten, um Stundenpläne, Trainings- und Wettkampftermine individuell auf die Bedürfnisse des Leistungssports abzustimmen. Höchstes Ziel bleibt die bestmögliche Entwicklung der Kinder und Jugendlichen in sportlicher und schulischer wie auch in sozialer und persönlicher Hinsicht in jedem Schulabschnitt. Als Partnerschule des Leistungssports ist das Besselgymnasium bereits Teilinternat. Die Stadt Minden wird zukünftig den Ausbau und Betrieb eines Vollinternates durch einen von Schulträger, Schule, Vereinen, Verbänden und der Wirtschaft getragenen Verein dauerhaft gewährleisten. Der 1. VC Minden wird die Kooperation mit dem Besselgymnasium weiter intensivieren. Der VC-Vereinstrainer soll verstärkt in den Schulsportgemeinschaften eingesetzt werden. Der Verein verstärkt seine Bemühungen, im Damen- und Herrenbereich die Regionalligazugehörigkeit zu erreichen, damit die zukünftigen Auswahlspieler adäquate Spielmöglichkeiten erhalten.

Der Westdeutsche Volleyball-Verband begrüßt die Einrichtung der NRW-Sportschule am Besselgymnasium Minden. Er erhofft sich dadurch eine Stärkung des Volleyballs in Westfalen-Ost. Langfristig soll und muss das Vollzeitinternat eine Sogwirkung für Talente in der ganzen Region und im angrenzendem Land Niedersachsen bewirken. Aufgrund der Perspektive will sich der WVV dafür einsetzen, dass der Standort Minden als anerkannter LLStP des LSB über das Jahr 2008 Fortbestand hat.

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